Sonntag, 7. Dezember 2014

Kurzgeschichte: Der Lauf der Natur

Es wird Zeit, euch mal wieder nach Nuun zu schicken, liebe Leser!
Den Charakter und auch das Tier aus dieser Kurzgeschichte werdet ihr in meinem Roman wiederfinden. Viel Spaß beim Lesen! :)

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Aktueller Stand: Wörter: 100.480 | Taschenbuch-Seiten: 288


Coverzeichnung: Marvin Herbring a.k.a. Vyse
Der Lauf der Natur

Blut lief aus der Kehle des Tieres in das dunkle Moos. Aus den winzigen, spitzen Zähnen ragte die Zunge hervor. Der Tod war noch nicht allzu lange her, denn es saßen keine Fliegen auf der Leiche der jungen Zirkulkatze. Der Werwolf grämte sich nicht und nahm dieses Geschenk Laturas an, griff sein Messer aus dem Gürtel und begann damit, das Fell von dem kleinen Körper zu schneiden. Der Lauf der Natur ist gnadenlos, aber Tan’Gros wusste, das dieser Lauf gerecht war. Er fing an den Läufen an, schälte die Haut nach unten und machte dann einen Schnitt an der Bauchdecke, um das Fell mit einem kräftigen Zug ganz vom Körper zu trennen. Unerwartet rann Blut über seine Pfoten und er merkte, dass er beim letzten Zug einen Teil des kleinen Katzenohres eingerissen hatte. Er versuchte, das rosa Fell nicht damit zu besudeln und schob es sich hastig in den Beutel. Es war ihm wichtig, nur das zu nehmen, was er wirklich brauchte und so legte er den gehäuteten Körper wieder auf das Moosbett, damit hungrige Vögel und Raubtiere davon satt werden konnten. Das Messer schob er in seinen Lendenschurz, dann breitete er seine Arme auseinander, um den dunkelroten Umhang hinter seine Schultern zu schieben, ohne ihn dabei mit seinen blutigen Pfoten anfassen zu müssen. Er drehte sich um, und nach  nur einem Schritt in die Himmelsrichtung des Flusses, an dem er sich waschen wollte, blieb er ruckartig stehen. Hinter einem Busch sah er sie. Er folgte ihr mit seinen Augen, bis die ausgewachsene Zirkulkatze hinter dem dicht begrünten Hügel hervorkam und ein gutturales Knurren von sich gab. Der Werwolf erkannte sofort, dass es sich um ein weibliches Exemplar handelte. Die weiße Mähne, die sich um Nacken und Schultern wand, war deutlich buschiger als bei den Männchen. Außerdem waren die violetten Wirbel, die auf dem rosanen Fell saßen, dunkler und zahlreicher.
Ein kräftiger Windstoß ging durch die breiten Blätter der hochgewachsenen Bäume, während sich die Raubkatze mit eleganten Schritten näherte. Ihrer zuckenden Nase sah man an, dass sie das Blut witterte. Wieder knurrte sie, zeigte jetzt aber deutlich ihre Reißzähne. Speichel rann über ihren breiten Unterkiefer auf den Boden. Tan’Gros starrte in zwei grimmige, gelbe Katzenaugen.
Dein Verlust ist schmerzlich, das weiß ich. Aber sei dir sicher, dass ich es nicht war, der das Leben deines Kindes nahm. Ich nahm nur, was Latura mir anbot.“, sagte Tan’Gros, ohne dabei seine Stimme zu benutzen.
Die Katze schloss ihr Maul, der Fluss an Speichel stoppte abrupt. Sie schnaubte stoßartig durch ihre Nase und brüllte dann aus ganzer Kraft. Tan’Gros’ Ohren dröhnten und die Blätter und Zweige um sie herum zitterten. Raben und andere Vögel ergriffen laut schnatternd die Flucht nach oben, so dass im nächsten Moment eine unangenehme Stille den Dschungel beherrschte. Der Werwolf wusste, dass er mit einfacher Ansprache nicht weiterkommen würde. Er musste zu härteren Mitteln greifen. Mittel, die er in den letzten Jahrzehnten einstudierte und beherrschte wie kein anderer.
Ruhig blieb er stehen und schaute auf die Katze. Bedrohlich wackelte sie mit ihrem langen, dünnen Schwanz, fast als wolle sie den Schamanen damit hypnotisieren. Ihre Augen funkelten und mit kleinen, unscheinbaren Bewegungen machte sie sich bereit, auf die Bedrohung vor sich zu springen und sie mit einem gezielten Biss in den Nacken zu töten.
Gewähre mir Eintritt, ich befehle es dir!“, dachte Tan’Gros, schloss die Augen und verlangsamte seinen Atem. Die Katze hob abwechselnd ihre breiten Vorderpfoten.
Ich möchte Zutritt, gewähre ihn mir! Sofort!“, dachte er erneut. Mit seinem Vertrauen in Latura und der Natur kniete sich Tan’Gros langsam auf den Boden des Dschungels und legte seine Pfoten auf die behaarten Oberschenkel. Seine Augen blieben geschlossen.
„Wir
sind es, die deine Heimat beschützen. Wir sind es, die euch nur töten, wenn wir hungrig sind. Wir sind es, die eure Existenz ehren und schätzen. Gewähre mir Eintritt! Sofort!“, sagte er stumm und atmete ruhig ein und wieder aus.
Die Zirkulkatze murrte, schloss ihr triefendes Maul und schlich auf den Werwolf zu, bis sie genau vor seiner Schnauze stand. Sie schnaubte und starrte ihn trotzig an. „Nein“, hörte Tan’Gros, als wäre es ein leises Flüstern des Windes. Der Blick der Katze ging auf seine blutbefleckten Pfoten. Dann schlängelte sie sich an ihm vorbei und beschnupperte ihr totes, gehäutetes Kind. Mit ihrer Tatze stupste sie gegen den rosa Leib, bis er vom Moos auf die Erde rutschte. Der Werwolf drehte sein linkes Ohr nach hinten und blieb dabei regungslos sitzen. Die Katze schaute auf, öffnete traurig ihr Maul und schloss es wieder. Ratlos schaute sie hinter sich zu Tan’Gros, verließ mit hängendem Kopf ihr Kind und verschwand in einem der zahlreichen Wildgreißbüsche.
Der Schamane blieb sitzen, bis die Tür zum Geiste der Katze verblasste. Er öffnete die Augen und schaute geradeaus in die Grüne Vegetation des Dschungels. Der Lauf der Natur war ohne Gnade. Gut, wenn man mir ihr reden konnte.

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Gehabt euch wohl, liebe Leser!


Kommentare:

  1. Ist dies Bestandteil Deines Buches?
    Ich freu' mich drauf!

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    1. Hey! :) Danke für den Kommentar!

      Sagen wirs mal so: Tan'Gros kommt im Roman vor, Zirkulkatzen ebenso! ;)

      Liebe Grüße
      Benjamin

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