Sonntag, 18. Januar 2015

Kurzgeschichte: Eine schlechte Nachricht

Mal wieder möchte ich euch in meine fantastische Welt entführen. Ich hoffe, euch gefällt meine Geschichte!

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Aktueller Stand: Wörter: 101.282 | Taschenbuch-Seiten: 290


Eine schlechte Nachricht

Coverzeichnung:
Marvin Herbring a.k.a. Vyse
Die Vampire schlichen leise durch den Dschungel, stiegen über dicke Wurzeln, schoben große Farne beiseite und achteten penibel darauf, kein Geräusch zu verursachen.
Branek grinste. Er beobachtete die sechs Lechuza schon seit mehreren Minuten, schwang sich von Baum zu Baum und gab seinen Kameraden eindeutige Pfotenzeichen, mit dem Angriff noch zu warten. Vor allem Larok war ungeduldig und deutete mehrmals an, den ungebetenen Besuchern ein schnelles Ende bereiten zu wollen. Branek jedoch war nicht auf’s stumpfe Töten aus. Er wollte wissen, wofür Blutmeister Darec das Leben dieser Kämpfer opferte.
Gleich würden die Besucher an einen Punkt kommen, an dem sie sich zwischen zwei Zielen entscheiden mussten. Die Werwolfsstadt Kree lag nördlich, während der heilige Mondberg, Pilgerort der Werwölfe, im Osten in den Himmel ragte.
Die Blutsauger schauten umher, richteten ihren Blick mehrmals nach oben, aber sahen keinen der fünf Werwölfe, denn diese waren Corvus-Späher. Dafür ausgebildet, ungesehen die Gefahren für ihr Volk frühzeitig zu erkennen und zu melden. Oder im Notfall eigenpfötig abzuwenden.
Die Bewaffnung der Vampire war spärlich. Die meisten trugen eine riesige, geschwungene Stahlklinge, andere hatten Messer von bis zu einer Ellenlänge auf ihren Handrücken befestigt. Keine große Herausforderung für die Werwölfe, aber auch kein Grund, sich sorglos auf sie zu stürzen.
Der vorderste Vampir hob plötzlich die Hand. Der Trupp blieb stehen, während er selbst weiterlief und die Richtung änderte. Dann gab er seinen Hintermännern ein Signal, ihm zu folgen.
Jetzt war Branek klar, was ihr Ziel war: Kree. Aufgrund ihrer geringen Anzahl und der Tatsache, dass die Stadt umzäunt war von riesigen Palisaden, war es unwahrscheinlich, dass sie die Stadt angreifen würden. Vielleicht sollten sie Schwachstellen auskundschaften oder eine sichere Route durch den Dschungel finden. Egal, was sie vorhatten, es war Zeit, es frühzeitig zu beenden.
Branek drehte sich auf dem dicken Ast zu Jana, seiner treuen Begleiterin, die auf einem der anderen Bäume saß. Ihre schmalen, schwarzen Augen ließen von der Vampirgruppe ab und richteten sich auf ihn. Sie verstand, was er in Zeichensprache zu ihr sagte. Behende griff sie eine Liane und schwang sich zu einem der Bäume vor ihr, von dort zum nächsten, bis sie genau über der Vampirgruppe war. Dort verharrte sie. Die anderen drei Werwölfe brachten sich ebenfalls in Position, bis einer von ihnen mittels kleiner Holzflöte einen Vogelruf imitierte. Das Zeichen für Branek, der sich jetzt genau hinter den Vampiren auf den Boden fallen ließ, kurz in die Knie sank und sich dann breitschultrig erhob. Die Angreifer drehten sich blitzartig um und erstarrten.
„Wieder einmal schickt Darec ein paar unglückliche Gestalten in den Dschungel zum Sterben.“, sagte der Werwolf und machte leichte Lockerungsübungen mit seinen Oberarmen. Das Lederband, das seinen Körper umschlung, knarzte unter seinen strammen Muskeln.
Einer der Vampire trat nach vorne. Jana spannte einen Pfeil in ihren Bogen, dessen vielfach gezackte und in Gift getränkte Pfeilspitze sie auf den Blutsauger richtete, der wenige Meter vor Branek stehen blieb. Mit  weißen, leeren Augen, starrte er den Werwolf verächtlich an.  Seine langen, weißen Haare führten zu den Schultern, die bedeckt waren mit pechschwarzen Tätowierungen, die sich elegant um seinen nackten, weißen Oberkörper wanden. 
Mit der Hand, in der er nicht seine breite, eiserne Klinge hielt, nahm er jetzt das metallene Mundstück ab, das seinen gesamten Unterkiefer bedeckte. Schmatzend leckte er sich über die Lippen.
„Eliska schickt uns, nicht Darec!“
Branek war überrascht, ließ es sich aber nicht anmerken.
„Wir sollen euch eine Nachricht zukommen lassen.“, fuhr der Vampir fort.
Der Werwolf schaute an dem Vampir vorbei auf dessen fünf Kameraden, die dort ohne ein sichtbares Zeichen von Furcht standen und ihr Gespräch verfolgten.
„Ich höre!“, sagte Branek.
„Eliska fordert von eurem Volk die Herausgabe der Seite. Ihr wisst, dass sie rechtmäßiges Eigentum des Vampirvolkes ist und ihr keinerlei Anspruch darauf habt. Unsere Aufgabe ist es, die Seite zurück nach Caedarx zu führen. Solltet ihr euch dieser Forderung in irgendeiner Weise widersetzen, so wird die Königin nach Kree reisen, um eigenhändig eure Frauen und Kinder von der Last ihrer Köpfe zu befreien!“
Branek konnte seine Überraschung nicht länger verbergen. Er nickte und schaute nachdenklich auf den Boden vor sich, während er mit der Zunge schnalzte.
Er hatte verstanden, was der Vampir gesagt hatte. Er hatte aber auch Anweisungen und Befehle. So reichte ein kurzes Zucken seines rechten Ohres aus, dass Janas Pfeil in den Kopf  des Vampirs drang. Regungslos stürzte er nach vorne. Die fünf hinter ihm erschraken und  blickten über sich. Dann hoben sie ihre Klingen und stürmten auf Branek zu, während Werwolf Larok mit seinen beiden Kameraden von den Bäumen sprang. Jana blieb auf ihrer Position und schoss ein Pfeil in das Bein eines anstürmenden Vampirs, der stolperte und im nächsten Augenblick von Larok den Schädel gespalten bekam. Branek hatte genug Zeit, um seine Sichel aus dem Lendenschurz zu ziehen, mit der er einem Vampir, nach dessen missglücktem Angriffsversuch, die Kehle durchtrennte. Die Schreie und das blutige Gurgeln der Schlacht hallten nicht lange durch den Dschungel.
Vögel aller Art, deren Gesänge zuvor noch in der Luft lagen, waren geflohen.
Stattdessen hörte man den Atem jedes einzelnen Werwolfs.
Jana sprang von ihrem Baum und stellte sich zu Branek.
„Das ist schlecht, oder?“
Branek nickte.
„Eliska weiß, dass wir eine der Seiten haben. Und sie wird alles dafür tun, sie in ihre Hände zu bekommen. Ja, ich muss dir recht geben: Das ist schlecht!“



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